"Also wenn du eine gute Architektin sein willst, dann kannst du doch nicht heiraten, dann bist du ja nicht mehr frei."
Diesen Satz musste ich mir von einem sehr lebenslustigen Kommilitonen anhören, als er erfuhr, dass ich verlobt war.
Ein wunderbares Beispiel für "Entscheide dich gefälligst", "Du kannst nicht alles haben.", "Du bist nur gut wenn du dich komplett auf ein Thema fokusierst."
Diese Sätze haben mich so lange geprägt. Ich hatte - und habe in schlechten Momenten noch immer - gedacht, ich muss mich entscheiden. Und wenn ich schon mehreres mache, dann bitte nicht offiziell. Oder nur als Hobby.
Und wohl gefühlt habe ich mich damit nie. Ich habe nach meiner ersten Ausbildung studiert. Meinem Ausbilder zu sagen, dass ich nicht in der Firma bleiben möchte, sondern weiter will, war echt nicht leicht. Genauso wie kaum ein:e Kommiliton:in wußte, dass ich "nebenbei" noch ein Fernstudium belegt hatte.
Die Heirat - ein Zeichen dafür, dass ich mich sogar zwischen Beruf und Privatleben hätte entscheiden müssen. Warum? Ich habe es nicht verstanden, getroffen hat es mich dennoch.
Dann habe ich im Studium noch meine erste Tochter geboren - und mit ihr zusammen meine Diplomarbeit geschrieben.
Ich habe nie nur eine Sache gemacht. Und trotzdem immer wieder Teile von mir versteckt. Nicht erzählt, dass ich finnisch lerne. Nicht erzählt, dass ich ehrenamtlich bei Mensa arbeite.
Mein Leben war und ist aber so, dass es mir immer wieder neue Themen vor die Füße gespült hat - Hochbegabung - ADHS - Elternbegleitung - Starke Ängste um die eigenen Kinder - Themen in der Partnerschaft - Herausforderungen in der Erwachsenenbildung - Glaube - Haltung - Werte - fehlende Hilfen.
Und ich habe für mich diesen Weg gefunden, ich will mich nicht zwischen Coaching und meiner anderen Berufung - der Architektur - entscheiden. Ich bin beides, Architektin und Coach. Mit vollem Herzen! Und noch viel mehr...
Was hat mir geholfen?
- ich habe mir ehrlich zugehört, auf allen Ebenen - Körper, Geist und Seele
- ich habe mir angeschaut, was ich so gehört habe, wie sich das angefühlt hat, ob diese Aussagen wirklich stimmen
- ich habe - vorsichtig und dann immer mehr - probiert, wie es sich anfühlt, mich ganz zu zeigen
- ich habe mich damit abgefunden, dass es Menschen gibt, die leider einfach nicht zu mir passen - und erlaube mir auch die Trauen, Menschen zu verlieren
- Und ganz wichtig: Ich sehe und fühle den Sinn in meinem Weg und habe Freude an meinem Tun.
Insgesamt hatte ich das Glück, immer wieder Menschen und Methoden getroffen zu haben, die mich gut begleiten, Menschen, die mich nehmen wie ich bin, Menschen, die sich freuen, mich in meiner Fülle kennenzulernen.
Aber das können sie auch nur, wenn ich mich zeige.
